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Prey-Model 80/20: Warum genau diese Aufteilung?

Wo kommen die 80 % tierisch und 20 % pflanzlich her – und wie du die 80 % weiter in Muskelfleisch, Pansen, Knochen, Innereien und Zusätze unterteilst.

Futterlotse-Redaktion4 Min Lesezeit

Das 80/20-Verhältnis ist keine Erfindung und kein Glaubensbekenntnis. Es ist ein pragmatisches Modell, das sich an der durchschnittlichen Zusammensetzung einer Beutetier-Karkasse orientiert – und korrekt umgesetzt die FEDIAF-Mindestnährstoffe eines erwachsenen Hundes abdeckt.

Woher kommt die 80/20-Regel?

Wildhunde und Wölfe nehmen rund 80–85 % tierisches Material über eine Beute auf – Muskulatur, Organe, Knochen, Haut, Blut. Die restlichen 15–20 % stammen aus dem Verdauungstrakt (Mageninhalt der Beute = vorverdautes Pflanzenmaterial) und saisonal aus direkt gefressenen Früchten, Gräsern, Wurzeln.

Die 80 % tierische Anteile – fünf Komponenten

Die „80 %" sind kein Block Fleisch. Sie teilen sich weiter auf:

KomponenteAnteil an der GesamtrationWas es liefert
Muskelfleisch50 %Protein, B-Vitamine, Eisen
Pansen / Blättermagen20 %Verdauungsenzyme, Taurin, Mikroben
Fleischige Knochen (RMB)15 %Calcium, Phosphor (Ca:P ≈ 1,2 : 1)
Innereien (Leber max. 50 %, Niere, Milz, Herz)10 %Vitamin A, D, K, Kupfer, Spurenelemente
Fett, Öle, Zusätze5 %Omega-3, Jod, Vitamin E

Diese Aufteilung liefert – bei Fleisch-Rotation über mehrere Wochen – fast alle essenziellen Nährstoffe nach FEDIAF, mit einer wichtigen Ausnahme: Omega-3 aus Fisch oder Algen muss gezielt ergänzt werden, weil Land-Muskelfleisch schlicht zu wenig EPA und DHA enthält.

Die 20 % pflanzliche Anteile

Der Pflanzenanteil teilt sich grob wie folgt:

  • 75 % Gemüse (rund 15 % der Gesamtration): Karotte, Zucchini, Pastinake, Kürbis, Fenchel, grünes Blattgemüse
  • 25 % Obst (rund 5 % der Gesamtration): Apfel, Birne, Banane, Beeren

Weil Hunde Zellulose der Pflanzenzellwände schlecht aufschließen, gilt: pürieren oder dämpfen. Sonst wandern die Vitamine ungenutzt durch.

Rechenbeispiel: 20-kg-Hund

Angenommen, der Hund hat einen berechneten MER-Bedarf von 1.040 kcal/Tag. Das entspricht ca. 360 g BARF/Tag (Prey-Model hat im Schnitt 300 kcal pro 100 g).

KomponenteTagesmengePraktisch
Muskelfleisch180 gz. B. Rind, Pute
Pansen72 gungewaschen grün
Fleischige Knochen54 gHühnerhälse / Rinderbrustbein
Innereien36 gdavon Leber max. 18 g
Fett + Öle18 gLachsöl 5 ml + Zusätze
Gemüse54 gpüriert/gedämpft
Obst18 gApfel oder Beeren

Was an 80/20 oft falsch gemacht wird

  1. Nur 80 % „irgendwas Tierisches" – wer die Untergliederung weglässt und rein Muskelfleisch füttert, liefert zu wenig Calcium und zu wenig Mikronährstoffe. Das Verhältnis in den tierischen 80 % ist genauso wichtig wie die 80 % selbst.
  2. Zu viel Leber – Leber ist genial (Vitamin A, D, B12, Eisen), aber in Menge giftig. Pro Woche maximal 2–3 % der Gesamtration als Leber.
  3. Gemüse als Hauptmahlzeit denken – 20 % sind 20 %, nicht 40 %. Hunde sind keine Karnivoren, aber auch keine Rinder.
  4. RMB ignorieren – ohne Knochen-Calcium droht mittelfristig Skelett-Unterversorgung, besonders bei Welpen. Wer keine Knochen geben mag: Eierschalenpulver (rund 1 g pro 10 kg KG/Tag) oder spezielle Mineralmischungen.

Passende Fertig-Menüs, wenn du 80/20 nicht selbst mischen willst

Für den Einstieg oder für Wochen mit wenig Zeit: Menüs, die schon im Prey-Model-Verhältnis gemischt sind. Zwei unserer Favoriten aus dem Katalog:

Fazit

80/20 ist kein Mantra, sondern eine Buchhaltungs-Logik: 80 % tierisch mit fein unterteilten Untergruppen, 20 % pflanzlich, Omega-3 extra. Wer das Verhältnis versteht, kann jede Ration selbst zusammenstellen – oder Fertigmenüs dahingehend prüfen, ob sie wirklich vollständig sind.

Quellen & weiterführende Literatur